20.01.2017 06:40 | http://www.haus-des-meeres.at/de/Unsere-Tiere/Forschung/Goodeiden.htm
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Goodeiden

Mexikanische Hochlandkärpflinge im Haus des Meeres. Die internationale Arbeitsgruppe "Goodeid Working Group"

Mexikanische Hochlandkärpflinge oder Goodeiden bewohnen in etwa vierzig Arten ein trockenes Gebiet im Herzen Mexikos, die Mesa Central, wo zum Teil Kleinstgewässer wie Quellgebiete und Tümpel zu ihren Lebensräumen zählen. Die Verbreitungsgebiete der meisten Arten sind sehr hoch gelegen; nächtliche Frostbildung und Tagestemperaturen von über 30°C sind im Winter keine Seltenheit. Die Tiere sind diesen Temperaturschwankungen gegenüber sehr tolerant.

Aus Sicht der Biologen sind diese Fische überaus interessant, weil sie eine besondere Art der Brutpflege entwickelt haben: Sie sind lebendgebärend und besitzen spezielle Strukturen am Bauch der Jungfische und in der Leibeshöhle der Weibchen, die eine ähnliche Funktion haben wie bei uns Menschen die Nabelschnur und die Plazenta.

Viele Arten sind durch Umweltsünden wie Bauprojekte, Wasserverschmutzung, das rasche Anwachsen von Großstädten und durch den rücksichtslosen Umgang der Bevölkerung mit der Ressource Wasser in ihrer Existenz massiv bedroht. Zwei Arten leben nur mehr in Aquarien, eine weitere Art gilt als ausgestorben. Dreiviertel der Arten sind so stark bedroht, dass nur ein massives unter Schutz stellen ein Überleben dieser Arten sichern kann.

Das Haus des Meeres arbeitet intensiv an der Erhaltung dieser bedrohten Fischgruppe mit. Auf unser Betreiben hin wurde gemeinsam mit anderen Zoos, Universitäten, Organisationen und Privatpersonen im Mai 2009 in Dänemark die Goodeid Working Group gegründet.  Auf internationalem Niveau werden Management-, Monitoring- und Zuchtprogramme ausgearbeitet, die diesen hübschen und interessanten Fischen ein Überleben sichern sollen.

Das Haus des Meeres hat folgende Aktivitäten zum Goodeidenschutz gesetzt:

Im Schaubereich wurde ein 250 Liter Aquarium den Goodeiden gewidmet und mit drei Arten besetzt. Informationstafeln weisen die Besucher auf die Bedrohung der Fischgruppe hin und informieren über die Ziele der Goodeid Working Group.

Ein weiterer Poster befindet sich an anderer Stelle im selben Stockwerk, ebenfalls um den Besucher auf die Bedrohung dieser Fische hinzuweisen. Die Medien wurden über dieses Projekt informiert, Artikel und Beiträge verfasst und diesen Fischen ein Schwerpunkt beim Artenschutztag im Haus des Meeres gesetzt. Als weitere Konsequenz leitet der zuständige Kurator im Haus des Meeres die österreichische Regionalgruppe der Goodeid Working Group mit etwa 15 interessierten und engagierten Mitgliedern.

Des weiteren hat das Haus des Meeres zu Zuchtzwecken in der Quarantänestation im 6.Stock und im Keller Zuchtbereiche geschaffen, bestehend aus über 70 Hälterungsbecken mit 60 bis 200 Liter Wasservolumen, sowie 20 kleineren Wurf- und Aufzuchtbecken. Die ständig kontrollierten Wasserparameter und ihre Werte lauten:

Temperatur 18 (im Winter) bis 26°C (in manchen Bereoichen im Sommer)/ pH-Wert 8,1/ Karbonathärte 7°dH/ Gesamthärte 12° dH.

Der Nitratgehalt wird durch wöchentliche Wasserwechsel auf unter 25 mg gehalten. Die Ernährung der Fische erfolgt täglich einmal mit hochwertigem Flockenfutter und frisch geschlüpften Salinenkrebsnauplien.

Überschüssige Jungtiere werden an interessierte Zoos und Mitglieder der Goodeid Working Group weitergegeben.

Momentan züchtet das Haus des Meeres nachfolgende Arten:

Nach der lateinischen Bezeichnung folgt die Fundortbezeichnung in Anführungszeichen, danach folgt die Anzahl der Männchen, Weibchen und die der Jungfische. Die Liste der Arten und die Stückzahlen werden vierzehntägig aktualisiert.

Allodontichthys zonistius "Arroyo Ahuacapan"
Männchen 3, Weibchen 4, Jungfische 10
Allodontichthys zonistius "Rio Ayuquila"
Männchen 2, Weibchen 3, Jungfische 3
Allotoca dugesii "Rio Santiago"
Männchen 4, Weibchen 3, Jungfische 4
Allotoca goslinei "Rio Potrero Grande"
Männchen 4, Weibchen 3, Jungfische 0
Ameca splendens "Rio Ameca"
Männchen 3, Weibchen 4, Jungfische 0
Ataeniobius toweri "Lago de Creda"
Männchen 8, Weibchen 3, Jungfische 6
Chapalichthys encaustus "Lago de Chapala"
Männchen 1, Weibchen 1, Jungfische 0
Chapalichthys pardalis "Tocumbo Park"
Männchen 20, Weibchen 15, Jungfische 13
Chapalichthys pardalis "Lago de la Magdalena"
Männchen 3, Weibchen 4, Jungfische 0
Characodon audax "Abraham Gonzales"
Männchen 2, Weibchen 4, Jungfische 0
Characodon audax "Guadalupe Aguilera"
Männchen 4, Weibchen 4, Jungfische 19
Characodon audax "El Toboso"
Männchen 7, Weibchen 6, Jungfische 5
Characodon audax "Los Pinos"
Männchen 1, Weibchen 1, Jungfische 15
Characodon lateralis "Los Berros"
Männchen 7, Weibchen 6, Jungfische 6
Girardinichthys multiradiatus "Maravatio"
Männchen 2, Weibchen 3, Jungfische 0
Girardinichthys viviparus "Chapultepec"
Männchen 4, Weibchen 3, Jungfische 25
Goodea atripinnis "Maravatio"
Männchen 1, Weibchen 1, Jungfische 3
Goodea atripinnis "Lago de Patzcuaro"
Männchen 5, Weibchen 1, Jungfische 0
Ilyodon furcidens; Stamm von 1983
Männchen 20, Weibchen 20, Jungfische 20
Ilyodon whitei "Rio Balsas"
Männchen 2, Weibchen 2, Jungfische 1
Neotoca bilineata "Irapuato 83"
Männchen 1, Weibchen 3, Jungfische 8
Neotoca bilineata "Presa de Cointzio"
Männchen 7, Weibchen 4, Jungfische 10
Skiffia multipunctata "Lago de Camecuaro"
Männchen 5, Weibchen 4, Jungfische 20
Skiffia multipunctata "Rancho Nuevo"
Männchen 1, Weibchen 1, Jungfische 12
Skiffia multipunctata "Tangancicuaro"
Männchen 1, Weibchen 2, Jungfische 25
Skiffia sp. "Sayula"
Männchen 1, Weibchen 3, Jungfische 0
Xenoophorus captivus "Bledos"
Männchen 4, Weibchen 5, Jungfische 3
Xenoophorus captivus "Ilescas"
Männchen 7, Weibchen 3, Jungfische 3
Xenotaenia resolanae "Rio Resolana"
Männchen 2, Weibchen 1, Jungfische 0
Xenotoca variata "Rio Lerma"
Männchen 3, Weibchen 5, Jungfische 13
Xenotoca variata "Jesus Maria"
Männchen 2, Weibchen 1, Jungfische 8
"Xenotoca" eiseni "Rio Tamazula"
Männchen 7, Weibchen 12, Jungfische 40
"Xenotoca" sp. "San Marcos 1"
Männchen 4, Weibchen 4, Jungfische 8
Zoogoneticus purhepechus "El Fuerte"
Männchen 8, Weibchen 7, Jungfische 10
Zoogoneticus purhepechus "La Luz"
Männchen 1, Weibchen 2, Jungfische 2
Zoogoneticus purhepechus "Lago de Magdalena"
Männchen 8, Weibchen 8, Jungfische 6
Zoogoneticus tequila "Rio Teuchitlan"
Männchen 2, Weibchen 2, Jungfische 18
Zoogoneticus quitzeoensis "Tarajero"
Männchen 3, Weibchen 3, Jungfische 10
Allodontichthys polylepis "Rio Potrero Grande"
Männchen 2, Weibchen 6, Jungfische 0
Allodontichthys tamazulae "Rio Tamazula"
Männchen 0, Weibchen 0, Jungfische 5
Allotoca dugesii "Rancho El Molino"
Männchen 4, Weibchen 4, Jungfische 0
Allotoca meeki "Lago Zirahuén"
Männchen 0, Weibchen 0, Jungfische 5
Characodon lateralis "Amado Nervo"
Männchen 0, Weibchen 0, Jungfische 12
Characodon lateralis "Ojo de Agua Los Berros"
Männchen 4, Weibchen 4, Jungfische 0
Ilyodon cortesae "Cupatitzio Spring"
Männchen 0, Weibchen 0, Jungfische 7
Neotoca bilineata "Rio Querendaro"
Männchen 1, Weibchen 2, Jungfische 0
Neotoca bilineata "Colonia Guadelupe"
Männchen 4, Weibchen 4, Jungfische 0
Skiffia francesae "Rio Teuchitlán"
Männchen 0, Weibchen 0, Jungfische 30
Xenoophorus captivus "Jesus Maria"
Männchen 1, Weibchen 1, Jungfische 0
Zoogoneticus quitzeoensis "La Mintzita"
Männchen 2, Weibchen 3, Jungfische 7
Zoogoneticus quitzeoensis "Zacapu"
Männchen 2, Weibchen 2, Jungfische 7

 

Der seltenste Fisch der Welt

Der wohl seltenste und am stärksten bedrohte Fisch der Welt heißt lateinisch Allodontichthys polylepis, wird zu Deutsch umständlich Vielschuppiger Grundkärpfling genannt, und gehört zu der aus biologischer Sicht hochinteressanten Gruppe der Mexikanischen Hochlandkärpflinge. Diese Fische, alles in allem etwa 40 Arten, bringen lebende Junge zur Welt, die sie über spezielle Strukturen im Mutterleib ernähren, die von der Funktion her an das Konzept erinnern, wie es bei uns Menschen verwirklicht ist. Sie sind damit sowas wie die Säugetiere unter den Fischen! 

Tatsächlich sind auch sie schwanger - bis zu zwei Monaten - und bringen ihre Babies mit Wehen zur Welt. Leider liegen die meisten ihrer Lebensräume heute in den am dichtesten besiedelten und am stärksten veränderten und verschmutzten Gebieten Mexikos. Viele Arten sind deshalb akut in ihrer Existenz bedroht, einige auch bereits in der Natur ausgestorben. Deshalb hat das Haus des Meeres vor 3 Jahren eine Initiative gegründet, die darauf abzielt, interessierte Hobbyaquarianer, Zoos, Aquarienhäuser und Museen zum Schutz dieser Fische zusammen zu führen. Auf das maßgebliche Betreiben des Haus des Meeres hin, wurde 2009 die internationale Goodeid Working Group gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Aussterben der Arten in der Natur und in den Aquarien zu verhindern. Mittlerweile beherbergt das Haus des Meeres selbst 53 verschiedene Populationen aus beinahe 30 Arten dieser Fische, einige davon in der Natur nicht mehr existent, andere nur mehr in Restbeständen. Einer davon, der nun seit wenigen Tagen abseits der Besucherströme im Haus des Meeres eine vorläufige Heimat gefunden hat, ist eben dieser Vielschuppige Grundkärpfling, und mit ihm verbindet das Haus des Meeres eine besondere Geschichte.

Dr. Alfred Radda, der seit vielen Jahren Vizepräsident des Haus des Meeres ist, fing 1987 diesen kleinen Fisch im Westen Mexikos und brachte anschließend einige Tiere mit nach Wien. Hier gab er sie an einem seiner Freunde, Herbert Stefan, weiter, der die Tiere über Jahre hinweg nachzog. Irgendwann in den späten 1990er Jahren verlor dieser seinen Bestand durch einen Unglücksfall, hatte aber zuvor glücklicherweise einige Tiere an Michael Köck weitergegeben, der nun selbst diesen Fisch nachzog und in Europa verteilte. 

Laut Auskunft des führenden Hochlandkärpflingsforschers in Mexiko, Professor Omar Domínguez, wurde etwa zum selben Zeitpunkt dieser Fisch in Mexiko zum letzten Mal gesehen. Obwohl sein Lebensraum, ein Fluss am Westabhang des Mexikanischen Hochlandes biologisch nach wie vor in gutem Zustand war, verschwand der Vielschuppige Kärpfling darin ebenso wie sein entfernter Verwandter, Allotoca goslinei. Vermutlich war eine der unregelmäßig auftretenden Trockenzeiten aufgrund des Klimawandels für diese beiden Fische von zu langer Dauer. Während sein entfernter Verwandter, Goslines Kärpfling kürzlich in Oberläufen naheliegender Flüsse und Bäche wiedergefunden werden konnte, blieb Allodontichthys polylepis bis heute in der Natur verschollen und muss wohl als ausgestorben betrachtet werden. Im Jahre 2008 nun gab Michael Köck seine Tiere an einen ungarischen Züchter ab, der sie allerdings durch einen Autounfall auf dem Transport verlor. Dieser Fisch schien wahrlich nicht vom Glück begleitet zu sein! Aber auch jetzt hatte das Schicksal wiederum seine Finger im Spiel: Es gelang einem erfahrenen niederländischen Züchter, der 2006 von Michael Köck einige Fische erhalten hatte, diese bis zum jetzigen Zeitpunkt nach zu ziehen. Nun, während des 2. Internationalen Treffens der Goodeid Working Group in Pont L'Eveque (Normandie), übergab der niederländische Züchter, Kees de Jong, seine Tiere an Michael Köck, nunmehr Kurator im Haus des Meeres, der diese 8 Fische wieder mit nach Wien nahm. Diesmal war es eine Notbremsung im Zug, die noch einmal für bange Minuten sorgte, als der Trolli mit den Fischen darin durch den Gang des Waggons geschleudert wurde; es überlebten aber alle Tiere unbeschadet und erreichten das Haus des Meeres am 10.Oktober gegen 13 Uhr. Damit kehrte dieser Fisch schließlich dahin zurück, wo bereits im Jahre 1987 Alfred Radda begann, diese Art für die Nachwelt zu sichern. Nun obliegt es dem Haus des Meeres und der Goodeid Working Group diesem Fisch einen Platz in der Zukunft zu sichern. Ein schwieriges Unterfangen, da von dieser Fischart insgesamt nur zwei Fundorte bekannt wurden, wo von einem in der Universität in Morelia in Mexiko noch einige Exemplare leben, und vom zweiten, dem Rio Potrero Grande, wo die Art ursprünglich entdeckt wurde, noch ganze 8 Stück, allesamt nun im Haus des Meeres. Die Gesamtanzahl der Fische liegt wohl momentan bei unter 30 Stück!

Das Haus des Meeres wird nun versuchen, diesen Fisch ebenso wie eine Anzahl weiterer Arten in größeren Stückzahlen nach zu ziehen. Nachzuchten des Vielschuppigen Grundkärpfling sollen dann künftig an weitere Mitglieder der Goodeid Working Group abgeben, und ein Bestand für eine Wiederaussiedlung gemeinsam mit der Universität Morelia aufgebaut werden. Sollte dies gelingen, wäre das ein Meilenstein für den Artenschutz!

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