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Fangfahrten

 

Seit 1966 fuhren wir regelmäßig ans Meer nach Istrien, die Insel Raab und an die obere Adria um Tiere für das HAUS DES MEERES zu fangen und – meist in den kühleren Nachtstunden – nach Wien zu bringen. Klimatisierte Autos gab es damals ebenso wenig wie funktionierende Luftpumpen, die man - was später natürlich möglich wurde - an die Autobatterie anschließen hätte können.

 

Kaufen konnten wir erst recht keine Tiere, das es für den Bereich Mittelmeer kaum Händler gab.

 

Einer, der auch von Anfang an das Haus des Meeres begleitet hatte, war Rudi Bauer – einer der wenigen tauchenden Tierfänger, die es damals in Wien gab. Er grub in stundenlanger Arbeit Zylinderrosen aus dem Schlamm, sammelte Röhrenwürmer und viele Kleinlebewesen, die dann bei uns zu sehen waren. Zum Anlass des 50 jährigen Bestehens wurde Rudi Bauer Ehrenmitglied unseres Vereins.

 

Aber nicht nur er, auch viele andere versuchten sich auch auf diese Weise nützlich zu machen.

 

Natürlich war unser Traum, einmal auch nach Afrika zu fliegen um dort tropischen Fische zu fangen. "Geld kann ich euch nicht geben", meinte Emmerich Schlosser, "aber ihr könnt euch die Kosten durch Inseratenwerbung selbst erarbeiten". Nach einer langen Phase intensiver Werbung war es dann 1972 endlich soweit. Die Expedition startete unter der Leitung von Dr. Fritz Hartel, der zwei weitere "Alte" und drei "Junge" mitnahm. Die Alten waren Emmerich Schlosser Sen. und Franz Karas, die „Jungen“ Norbert Schuh, Konrad Haas und ich.

 

Unser Weg führte zunächst mit dem Zug nach Basel und danach – mit einer 4motorigen Propellermaschine nach Benghazi, Nairobi und schließlich nach Mombasa.

 

Wir hatten aufblasbare Kinderbecken mit und verwendeten auch die Badewannen für die Haltung der gefangenen Korallenfische.

 

Am Weg zurück, kamen die Fische in große Nylonbeutel samt Sauerstofftabletten und überstanden die lange Reise problemlos.

Es gäbe noch viel zu erzählen über die weiteren Erlebnisse dieser Fangfahrt, die meine einzige Überseereise für das HAUS DES MEERES geblieben ist.

 

Übrigens, in Kenia wurde ich damals zum Bartträger...

 

PS.:Die Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen, kurz: CITES) wurde am 3. März 1973 in Washington D. C. unterzeichnet und trägt daher den Namen Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA).

 

PPS.:Tiere waren nach dem damaligen Zolltarif weder Zoll- noch Ausgleichssteuerpflchtig (AST).

v.l.n.r.: Norbert Schuh, Konrad Haas und Franz Six (noch ohne Bart)
v.l.n.r.: Norbert Schuh, Konrad Haas und Franz Six (noch ohne Bart)
Rudi Bauer bei der 50 Jahr Feier
Rudi Bauer bei der 50 Jahr Feier
 
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