23.05.2018 11:02 | https://www.haus-des-meeres.at/de/Flakturm/Zubau-HdM.htm
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Temporäre Kunstinstallation Lawrence Weiner

Für das HAUS DES MEERES war schon allein die Unterbringung in einem Flakturm schwierig, aber die Bundesgebäudeverwaltung vermietete 1957 drei Stockwerke an die GESELLSCHAFT FÜR MEERESBIOLOGIE. Am 7.6.1958 wurde die erste Meerwasserausstellung Österreichs eröffnet.

Mühsam wurde von einer kleinen Gruppe Idealisten der leerstehende Flakturm immer mehr erschlossen und weitere Räume angemietet. Im Jahre 1991 hatten wir bereits 6 Stockwerke unter Vertrag.

In diesem Jahr erfuhren wir, dass im Rahmen der Wiener Festwochen eine „Temporäre Kunstinstallation“ vorgesehen sei. Das Projekt trug den Namen Topographie I und wurde von  Lawrence Weiner am Turmkranz, von Martin Kippenberger im U-Bahnschacht und medial aufbereitet von Gerwald Rockenschaub ausgeführt.

Das Werk von Lawrence Weiner „Zerschmettert in Stücke (im Frieden der Nacht)“ wurde von den Medien unterschiedlich kommentiert und von den damals 118.138 Besuchern unserer Tierschau mit ziemlichem Unverständnis aufgenommen.

Der ehemalige Flakturm stand seinerzeit noch unter Denkmalschutz! Aber die „Temporäre Kunstinstallation“ sollte ja nach den Festwochen 1991 wieder entfernt werden oder einfach verwittern.

Aufgrund der intensiven Nachfragen unserer Besucher wollten wir eine sofortige Übermalung finanzieren und gleichzeitig die weißen Flächen mit unserem Namenszug versehen. Dies scheiterte aber am Kostenvoranschlag der Firma Gotfryd Designs vom 26.11.1991 über öS. 240.000. Um diese Summe konnten wir weitere und größere Aquarien und Terrarien errichten und das hatte natürlich Priorität.

Am 30.10.1998 erhielt das von Architekt Holzbauer entworfene, gemeinsame Projekt der Arcotel-Gruppe (ein Kaffee-Erlebnis-Museum) und unser Tropenhausanbau die Baubewilligung. Unser Tropenhaus tangierte das Kunstwerk nicht, anders jedoch das Zweitprojekt. Bewilligt waren Lifte und Treppenhäuser auf der Vorderseite des Gebäudes, die das Werk Weiners komplett verschwinden hätten lassen. Das Projekt scheiterte jedoch nicht daran, sondern im Zusammenhang mit der geplanten Umwidmung vom Kaffee-Erlebnis- Museum in ein Hotel - aufgrund der Überschreitung der maximalen Höhe.

Im Jahre 2005 erfolgte die Renovierung des Kunstwerks. Zu diesem Zeitpunkt mussten wir uns noch um die Wiedererlangung des Mietrechts von der Arcotelgruppe bemühen.

Im Jahre 2007 war es dann soweit und wir eröffneten die Terrasse im 9. Stock und begannen mit dem vorderen Zubau. Unser Schriftzug musste daher verlegt werden und wurde von der ausführenden Firma irrtümlich über statt unter dem Kunstwerk montiert. Daraufhin wurden wir von einer Zeitung eines „Barbarenaktes“ bezichtigt.

2008 eröffneten wir – nach Räumung von Tonnen Taubenkot- und Kadavern – im ehemaligen Kommandoraum des Turms das erste kleine Flakturmmuseum unter dem Namen

„Erinnern im Innern“.

 

Damit wollten wir zum Ausdruck bringen, dass wir sowohl die Errichtung des Kriegsreliktes - teilweise auch durch Zwangsarbeiter - als auch die Schrecken der „Dunklen Zeit“ in Erinnerung behalten und den BesucherInnen vermitteln wollen. Zusätzlich zum Gedenkraum wurden Teile der Stiegenhäuser nicht nur im Originalzustand erhalten, sondern auch mit etlichen Bildtafeln ausgestattet.

Wir haben aber auch klar darauf hingewiesen, dass wir nach außen hin als das in Erscheinung treten möchten, was wir sind. Deshalb brachten wir auf den Auskragungen der Terrasse die Aufschrift ZOO an, ansonsten hätte man nur das Kunstwerk wahrgenommen.

Als man uns 2008 – damals bereits als Hauptmieter des gesamten Turms – mit einem weiteren Hotelprojekt überraschte ohne uns davor gefragt zu haben, brachten wir unser eigenes Ausbauprogramm für das Dach an die Öffentlichkeit.

Die amtliche Anrainerbefragung am 30.4.2009 ergab eine Zweidrittel Mehrheit für dieses Projekt, welches erstmals auch einen Außenlift beinhaltete, der das Kunstwerk geringfügig auf der Vorderseite des Turms verdeckt hätte. Trotzdem erfolgte 2010 eine Ablehnung des Bauansuchens.

Im Jahre 2011 begannen die Vertragsverhandlung zwecks Übernahme des Flakturms, eine win-win Situation wurde angestrebt. Die Stadt sollte sich die jährlichen Erhaltungskosten einsparen und wir wollten nicht mehr in fremdes Eigentum investieren. Auch das Kunstwerk von Weiner wurde berücksichtigt. Gleichzeitig stellten wir ein Projekt vor, welches die Lifte nicht mehr direkt an der Bunkerwand vorsah, damit das Kunstwerk auch weiterhin möglichst gut zu sehen wäre.

Im darauffolgenden Jahr reichten wir ein erneut geändertes Projekt ein, welches am Dach ein 1-Mio. Liter Aquarium vorsah. Auch dabei sind wir letztlich am Fachbeirat gescheitert. Es wurde befürchtet, dass die Aquarienscheiben veralgen könnten, „was dem Stadtbild nicht zuträglich wäre…“

Ebenfalls 2012 starteten intensive Gespräche bezüglich Transfer des Kunstwerks in den Arenberg Park als Attraktion der Festwochen 2013. Lawrence Weiner wäre einverstanden gewesen, wenn seine damit verbundenen, finanziellen Vorstellungen erfüllt würden. Eine Privatstiftung war sogar zur Finanzierung bereit, aber dieses Projekt dürfte am Widerstand des 3. Bezirks gescheitert sein.

Immerhin hatten die Verantwortlichen damals schon erkannt, dass das Kunstwerk mit dem inzwischen stark gewachsenen Haus des Meeres nicht mehr zusammenpassen würde…

Da unser Dachaquarium abgelehnt wurde und wir unbedingt ein Projekt benötigten, welches das nicht vorhandene Dach des Turms abdeckt und damit den immer wiederkehrenden Wassereintritt verhindert, entschlossen wir uns, unter Bewahrung der Außenmauern mit dem Kunstwerk, insgesamt 750 Tonnen Stahlbeton abzutragen um in weiterer Folge wenigstens den 10. Stock – der davor eine Raumhöhe von 1,9 Metern hatte -  nutzen zu können.

Da im Bereich des früheren Kransockels außen die Buchstaben „tu pi“ von Smashed to pieces … stehen, war es uns nicht möglich unseren neuen Veranstaltungssaal barrierefrei zu gestalten und wir mussten ein Podest errichten. Danach wurde der freie Bereich mit Glasschiebetüren geschlossen.  

 Am Giebel des nunmehrigen Daches errichteten wir das Café und eine 300 m2 große Terrasse an einem der schönsten AussichtspunkteWiens.

Am 5.11.2013 wurde das um einen großen Raum erweiterte „Erinnern im Innern“ wiedereröffnet und die Originalstiege vom 9. zum 10. Stockwerk mit Bildtafeln über die Bauphasen des Flakturms versehen. 

Am 31.5.2015 bestätigte uns der Galerist Winter, dass Lawrence Weiner inzwischen eine Übermalung durch uns wünschen würde, weil er unseren Plänen nicht mehr im Wege stehen wollte.

Nach der Turmübernahme ins Eigentum am 15.10.2015 reichten wir erneut ein Projekt ein, welches – wie alle anderen zuvor – die dringend benötigten Außenlifte sowie die Erweiterung der Eingangshalle (Garderoben und Kinderwagenabstellplätze) beinhaltete. Der extrem schmale Balkon im 10. Stock sollte gleichzeitig erweitert werden.

Leider wurde auch dieses Projekt abgelehnt – wegen „Überfrachtung“ Die klaren Konturen des Turmes sollten unbedingt erhalten bleiben. Letztendlich kam es zu einem „konsensualen Verfahren“, welches die Verbauung der Vorderseite mit einem zweiten, klar strukturierten Block vorsieht. Noch immer versuchten wir, das Kunstwerk zu erhalten, daher haben wir in diesem Bereich eine Durchsicht vorgesehen, die aber trotzdem eine wesentliche Sichtbeeinträchtigung ergeben hätte. Die anderen 3 Seiten wären lediglich durch die Verglasung der Terrasse (anstelle des temporären Gitters) weitestgehend erhalten geblieben. Die Alternative – eine komplette Sperre der Terrasse – wollten wir unseren Gästen nicht zumuten.

Wir haben also bis zuletzt versucht, eine Form der Koexistenz zu finden, zumal wir jene, denen das Kunstwerk am Herzen liegt, nicht vor den Kopf stoßen wollen.

Wir sind nun seit vielen Jahren als „Wissenschaftlich geführter Zoo“ dank der großen Erhaltungszuchterfolge in allen maßgeblichen Zooorganisationen weltweit verankert und unsere Besucherzahl ist im Vorjahr auf 635.363 angestiegen. Die zusätzlichen Aufzüge, die wir seit 2008 geplant haben, sind unabdingbar für eine sichere und wirtschaftliche Weiterführung unserer gemeinnützigen Aktivitäten.

Daher waren wir sehr froh, dass die Bauverhandlung vom 23. Oktober 2017 erfolgreich und mit Zustimmung aller Fachbereiche verlaufen ist und auch der Bauausschuss des Bezirks unser privat und ohne Steuermittel finanziertes Vorhaben, am 20.12.2017 einstimmig zur Kenntnis genommen hat.

Seit Beginn des aktuellen Zubauprojektes fand eine Abstimmung mit allen verantwortlichen Bereichen der Stadt Wien und mit dem Künstler und dessen Vertreter, dem Galeristen Winter, statt.

Gleich nach der Zustimmung der Behörden und aller politischen Fraktionen im Bauausschuss, informierten wir am 31.1.2018 die gemeinsam mit dem Bezirk eingeladenen Anrainer und die Medien in allen Details. Auf unseren Visualisierungen war klar erkennbar, dass das Kunstwerk erstmals - mit Zustimmung von Lawrence Weiner und dessen Galeristen Hubert Winter - nun nicht mehr berücksichtigt wurde. Im Rahmen der Fragestunde gab es diesbezüglich keine einzige Rückfrage.

Wie schon im TV Interview von Franz Six erwähnt, wollen wir die Erinnerung an das Kunstwerk von Lawrence Weiner im Inneren des Hauses in geeigneter Form gestalten und wir hoffen, dazu auch die Zustimmung des Künstlers zu erhalten.

„Es war ein wundervolles Projekt, nun ist es Geschichte! Er erinnert sich mit Freude daran!“ meinte Galerist Winter. „Wichtig ist Lawrence Weiner, dass das Kunstwerk komplett übermalt wird - auf allen 4 Seiten“.

Wir werden seinem Wunsch entsprechen.

Unser Haus ist seit 60 Jahren für unsere Gäste geöffnet. Wir haben im guten Einvernehmen mit der Stadt Wien in einem der 6 Flaktürme eine sinnvolle Nachnutzung möglich gemacht und eine Sehenswürdigkeit geschaffen, die in der Hitliste Wiens jeweils unter die ersten 10 kommt. Es gäbe noch 5 andere Türme, die selbst 73 Jahre nach Kriegsende keine öffentlich zugängliche Nutzung erfahren haben.

Franz Six

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