29.06.2017 09:21 | https://www.haus-des-meeres.at/de/Unsere-Tiere/Forschung/Forschung-im-HdM.htm
Logo Haus des Meers - Aqua Terra Zoo

Forschung

Haus des Meeres erforscht die Sprache der Seepferdchen

Nachdem wir schon seit Jahren erfolgreich Seepferdchen nachzüchten, sind wir heute besonders froh darüber, auch am internationalen Forschungsgeschehen teilzuhaben. Kürzlich wurde mit unserer Seepferdchen wertvolle Grundlagenforschung betrieben, ihre Sprache wurde zusammen mit Prof. Tacyana Ribeiro von der Universität Paraiba in Brasilien und dem „Fischflüsterer“ Prof. Friedrich Ladich vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien erforscht. Veröffentlichung im renommierten Journal of Zoology - PDF Download.

Zahlreiche Fische sprechen – entweder um ihren Artgenossen etwas mitzuteilen oder um Fressfeinde abzuschrecken. 
Als wir das erste Mal unsere Haus-Seepferdchen (das Karibische Langschnauzen Seepferdchen Hippocampus reidi) belauschten, waren wir trotzdem überrascht, denn Seepferdchen sind gar nicht einsilbig - gleich zwei unterschiedliche Laute konnten wir aufnehmen, einen Klick-Laut und einen Grummel-Laut. 
Der Klick-Laut ist beim Fressen und auch bei der Balz zu hören. Er entsteht, wenn in einem speziellen Gelenk am Hinterkopf des Seepferdchens zwei Knöchelchen aneinander gerieben werden und klingt dabei ähnlich wie ein Zungenschnalzen.

Der zweite Lauttyp, den wir mit technischer Finesse nämlich sehr empfindlichen Unterwassermikrofonen (Hydrophonen) aufnehmen konnten war ein niederfrequentes Grummeln. Er wird von den Seepferdchen erzeugt, wenn sie in Not sind, zum Beispiel wenn sie festgehalten werden - entweder von  einem Raubfisch vor dem Verschluckt werden oder aber von der Hand des Forschers.

Über den Sinn dieser Laute können wir im Moment nur spekulieren: 
Das Klicken ist möglicherweise der Hinweis an andere Seepferdchen, dass gerade viele Nahrungskrebse entdeckt wurden um dann gemeinsam zu fressen - Seepferdchen sind ja sehr soziale Tiere, die auch viel Zeit aufwenden, um einander zweimal täglich zu begrüßen. 
Warum dieser Klick-Fresslaut dann aber auch bei der Balz zu hören ist, bleibt ein Rätsel.

Die Laute werden in den zwei rechts sichtbaren Sonagrammen visualisiert. Das erste Sonagramm zeigt einen Klicklaut, das zweite ein leiseres, aber länger andauerndes Grummeln. 
Wer Seepferdchen wirklich hören will, muss aber ins Haus des Meeres kommen. Für unsere Besucher haben wir an einem vier Meter langen Seepferdchenaquarium einen Lautsprecher angebracht, mit dem die Laute abgehört werden können.        

Forschung im Haus des Meeres

Meeresforschung im Betonturm: Im 6. Stock des Flakturms, abseits vom Besucherstrom wurde eine Forschungsstation errichtet, in der wertvolle wissenschaftliche Arbeit geleistet wird.

Qualleninvasion im Mittelmeer. Forscher des Haus des Meeres konnten nachweisen, dass sich der Quallen-Neuankömmling Phyllorhiza punctata im Mittelmeer bereits fortpflanzt. PDF

"Quallenpolypen", die bodenbewohnende Lebensform der Quallen. Sie erzeugen am Ende ihres Lebens innerhalb weniger Wochen hunderte mikroskopisch kleine Quallen.

"Erfolgsmodell" Gepunktete Wurzelmundqualle (Phyllorhiza punctata), die ursprünglich im tropischen Indopazifik beheimatet war: Grün markiert sind alle innerhalb weniger Jahrzehnte neubesiedelten Meeresregionen, die orange Markierung kennzeichnet das ursprüngliche Verbreitungsgebiet.

Für jeden Seepferdchen-Mund das richtige Futter - im Haus des Meeres wird wertvolle Forschungsarbeit zur Seepferdchenernährung geleistet. 

Planktonalgen sind die Basis der künstlichen Nahrungskette im Haus des Meeres. In mannshohen Zylindern werden verschieden Planktonarten für die Jungtiere gezüchtet.

Ein Ruderfußkrebs kurz vor der Eiablage.

Wertvolles Plankton: das Naupliusstadium eines Kleinkrebses, ein begehrter Leckerbissen für Seepferdchenbabys.

Das Haus des Meeres unterstützt die Erforschung der Meere auch, indem Meerestiere und Algen für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt werden. So wurden zum Beispiel an der Universität Wien Meeres-Flachwürmer elektronenmikroskopisch untersucht.

Auf dieser Liste können alle momentan verfügbaren Organismen eingesehen werden.

Außerdem plant das Haus des Meeres auch eine Kooperation mit der Firma SeaLife Pharma GmbH, die nach pharmakologisch aktiven Substanzen im Meer sucht.

Bambushaibabys aus dem Haus des Meeres werden zu "Studenten" der Universität Bonn

Pressemitteilung Dr. Vera Schlüssel

Anfang 2013 stellte das Haus des Meeres unserer Abteilung (Prof. Bleckmann, Vergleichende Neurophysiologie, Universität Bonn) freundlicherweise zwölf Jungtiere des grauen Bambushais (Chiloscyllium griseum) für Verhaltensversuche zur Verfügung. Ziel unserer Arbeit hier in Bonn ist es herauszufinden, ob Haie, ebenso wie andere Vertebraten ein Ortsgedächtnis besitzen und verschiedene Orientierungsstrategien erlernen sowie Problem-spezifisch anwenden können. Seit April 2010 werden die jungen Bambushaie nun zusammen mit einigen Vertretern der Arten Chiloscyllium punctatum (Braun-gebänderte Bambushai) und Atelomycterus marmoratus (Korallen Katzenhai) in verschiedenen räumlichen Aufgaben trainiert und haben seitdem auch schon so einiges gelernt – sie haben sich ihr Futter im wahrsten Sinne des Wortes hart erarbeitet und deshalb natürlich redlich verdient! Jeden Tag müssen die Haie in einem 2.5m*2.5m großen, kreuzförmig angelegten Becken (50 cm Armbreite) an jeweils vorbestimmte Orte schwimmen um sich dort ihr Futter zu holen. Dabei werden einige Haie darauf trainiert sich immer in eine bestimmte Richtung zu orientieren (also immer rechts oder links schwimmen), andere müssen bestimmte Landmarken anschwimmen und wieder andere sollen sich einen speziellen Ort im Raum merken. Orientierungshilfen bieten dabei eine Reihe von bunten, geometrischen Mustern, die an weißen Wänden um das Becken herum angebracht sind. Zehn Durchgänge gibt es pro Tag pro Hai, wenn alles glatt läuft also auch zehn Stückchen Fisch für jeden flossentragenden Studenten als Belohnung. Bei diesen gibt es übrigens durchaus große Unterschiede hinsichtlich Persönlichkeit und Arbeitseinsatz (ähnlich wie bei den echten Studenten), es gibt faule und fleißige, mutige und ängstliche, überlegte sowie draufgängerisch hastige Kandidaten. Alles in allem sind sie aber recht motiviert und eifrig bei der Sache und zumindest zur Zeit sieht es so aus, als ob alle das Klassenziel erreichen – nur die letzten Versuche stehen noch aus. Ähnliche Versuche wurden von uns schon 2004 an Süßwasserrochen (Potamotrygon spec.) durchgeführt. Bei ihnen wurden die gleichen individuellen Unterschiede wie bei den Haien gefunden - Fisch ist also nicht gleich Fisch, wie manch einer von uns vielleicht erwarten würde. Vergleicht man Haie und Roche geht der erste Preis aber an die flacheren Artgenossen: die Babyrochen waren doch um einiges cleverer als ihre Verwandten und auch in ihrem Enthusiasmus unschlagbar. Mal sehen ob die Haie jetzt im Endspurt noch einen Zahn zulegen.

Share this pageFacebookTwitterGoogle+Drucken
 

Öffnungszeiten

Täglich, 365 Tage im Jahr!

Montag - Sonntag: 09:00h bis 18:00h

Donnerstag: 09:00h bis 21:00h

mehr...

Artware @
© 2017, Haus des Meeres GmbH | AGB | Impressum | Benutzerhinweise | Datenschutz

Diese Website verwendet Cookies um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die Benutzung dieser Website sind Sie mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Mehr Informationen erhalten Sie hier

Nicht mehr anzeigen