23.09.2017 13:04 | https://www.haus-des-meeres.at/de/Unsere-Tiere/Zootiere/Haibecken.htm
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Haibecken

Größe: 300.000 Liter - im 04. & 05. Stock

Kosten: etwa 1,3 Mio Euro

Für dieses 2007 eröffnete Aquarium, das sich über zwei Stockwerke erstreckt, wurde sehr viel Beton aus dem Bunker, in dem das Haus des Meeres untergebracht ist, herausgesägt. Es musste z.B. die Geschossdecke eines Stockwerkes teilweise entfernt werden. Sogar ein eigener Schlitz (von Insidern auf Grund der Aquariumskosten "Sparschweinschlitz" genannt) mit über 6m Höhe und einem knappen Meter Breite wurde in die 2,5m dicke Außenwand geschnitten. Er war unbedingt notwendig um die langen Stahlträger und die Glasscheiben überhaupt ins Gebäudeinnere bringen zu können. Die neun Sichtscheiben mit einer Höhe von über 5,5m sind zwischen 8 und 12 cm dick und wiegen über 13,8t. Als Unterkonstruktion verarbeitete man 75t Stahl.

Dieses Aquarium, das größte Österreichs, ist den österreichischen Tauchpionieren, Herrn Prof. Dr. Hans Hass und seiner Frau Lotte, in Anerkennung ihres großartigen Lebenswerkes gewidmet. Ihr Verdienst ist es letztendlich, dass Haie heute nicht mehr als Menschen mordende Bestien betrachtet werden, sondern als ökologisch wichtiger Teil der Ozeane.

In diesem Becken leben nun neben vielen größeren und kleineren Fischarten Schwarz- und Weißpitzenhaie, sowie ein Bambushai.

Es ist ein Gerücht, dass alle Haie ständig schwimmen müssen, um nicht zu ersticken. Dies gilt nur für einige Hochseearten. Da diese ohnehin immer herumschwimmen und sich nie hinlegen (der Meeresboden wäre für sie zu weit entfernt) haben sie die Muskulatur, mit der Fische über das Maul Wasser ansaugen und über die Kiemen wieder nach draußen befördern, rückgebildet. Diese Hochseehaie sind sogenannte "Staudruckatmer": Beim Schwimmen strömt bei leicht geöffnetem Maul Wasser hinein und über die Kiemen gleichzeitig wieder hinaus. So kommen sie zu ihrem lebensnotwendigen Sauerstoff. Die meisten der über 400 Haiarten können sich allerdings problemlos auf den Meeresboden legen und mit Hilfe von Muskeln aktiv atmen. 

Die Schwarzspitzenhaie im großen Haiaquarium jedoch schwimmen ständig, auch nachts. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet sind die Korallenriffe des Indopazifiks. Wie die meisten Riffhaie sind auch Schwarzspitzenhaie für den Menschen ungefährlich. Seine Hauptnahrung besteht aus Tintenfischen und kleinen Knochenfischen. 

Haie sind keineswegs die blutrünstigen, menschenfressenden Monster, als die sie hingestellt werden. Nur wenige Arten können dem Menschen gefährlich werden, vor allem die, die größer als 4 m Meter werden und keine Planktonfresser sind. Dem Menschen gefährliche Arten, wie der Weiße Hai, der Grundhai und der Tigerhai, töten jährlich bloss 10 Menschen, ungefähr 100 Haiattacken werden pro Jahr registriert. Eine Zahl, die im Verhältnis zu den vielen Millionen Touristen, die jedes Jahr im Meer baden, verschwindend gering ist. Fast eine Million Menschen sterben hingegen im selben Zeitraum weltweit bei Verkehrsunfällen. 
Unzählige Haie werden hingegen jedes Jahr vom Menschen getötet. Unbegründete Angst, Trophäensucht und vor allem die Ausbeutung als Nahrungsmittel wie Haifischflossensuppe sind dafür verantwortlich. So ist es weiters nicht verwunderlich, wenn bereits über 70 der 400 Haiarten vom Aussterben bedroht sind.

Außerdem ist dieses Aquarium Heimat für unsere Meeresschildkröte "Puppi". Die sechs Meeresschildkrötenarten leben in wärmeren Meeren. Obwohl sie eigentlich Bewohner der Hochsee sind, sind sie vor allem während der Fortpflanzungszeit auch küstennah anzutreffen. Meeresschildkröten werden über 100 Jahre alt und erreichen erst im zweiten Jahrzehnt die Geschlechtsreife. Sie pflanzen sich ab dann alle drei bis fünf Jahre fort und legen jeweils mehrere 100 Eier. Dies erscheint eine sehr hohe Zahl an Nachkommen zu sein, aber unter natürlichen Bedingungen erreicht heutzutage nur ein Tier eines Geleges die Geschlechtsreife. Die meisten Jungtiere sterben bereits am Weg zum Meer. Krabben und Seevögel warten bereits am Strand auf die frischen Schlüpflinge um sich daran zu delektieren. Wer das Meer erreicht, muß sich dort mit weiteren Freßfeinden auseinandersetzen. 
Über Jahrmillionen hat diese Fortpflanzungsstrategie trotz allem das Überleben der Schildkröten gesichert. Erst seitdem wir Menschen die Meeresschildkröten bejagen um sie zu essen oder ihnen als Touristen die Niststrände streitig machen stehen sie auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten.

Puppi ist ein "Findelkind", das einst als 10cm großes Jungtier von einer Dame aus Asien mitgenommen wurde, um es vor dem Fischmarkt zu retten und ohne eine Ahnung, was da größenmäßig auf sie als Pflegerin zukam! 1,5m Länge, über 100kg und ein wahres Methusalemalter von ca. 100 Jahren, damit hatte sie nicht gerechnet.  Puppi ist seit 1982 im Haus des Meeres und zählt zu den Baumotoren, denn alle Großbecken sind auch für Puppi errichtet worden.

So erzählt die Mutter von Frau Mag.a Dagmar Hafner Puppi’s Lebensgeschichte und wie sie ihr das Leben gerettet hat:

„Im Dezember 1976 verbrachten mein Mann und ich einen Tauchurlaub im Nord Malé-Atoll auf den Malediven. An einem tauchfreien Tag besuchten wir die Hauptinsel Malé und auch den dortigen Markt. Dort sah ich an einem Lebensmittelstand in einem großen Gurkenglas ca. ein Dutzend frisch geschlüpfte Baby-Schildkröten schwimmen und fragte den Verkäufer, warum diese verkauft würden. Er rief begeistert "Baby turtle good for breakfast, you fry like egg, delicious!!!" Erschreckt fragte ich nach dem Preis und er sagte "Only one Dollar, Miss, very very good!" Ich musste ganz einfach eines dieser kleinen Babys vor dem sicheren unmittelbaren Tod in der Pfanne retten und streckte 1 Dollarnote hin und bekam dafür ein strampelndes Baby im Plastiksäckchen. Mein Plan war ursprünglich, das Kleine vor meinem Bungalow im Meer freizulassen. Aber als wir wieder auf unserer Insel waren, kam einer der Hotelangestellten aus dem Meer und trug schwer an einer großen Schildkröte, die er gerade gefangen hatte und zeigte sie uns freudig und bedeutete uns, dass sie eine köstliche Mahlzeit für seine Familie darstelle und verschwand damit ins Inselinnere. Damit war mein Entschluss gefasst, "Puppi" würde nicht als Essen enden und mich nach Wien heimbegleiten. Sie machte die Flugreise in meiner Handtasche mit und wurde zu Hause in das kleinere 100 Liter Aquarium gesetzt, wo sie sich gleich sehr wohlfühlte. Wir hatten damals nicht zuletzt aufgrund unserer Tauchleidenschaft ca. 20 Jahre Erfahrung als Aquarianer und besaßen zwei 200 l Aquarien und ein 100 l Aquarium mit Salzwasserfischen. 

Sie fraß Salat und später griechische Sardinen, deren Haut und Gräten sie brauchte um ihren ständig sehr schnell wachsenden Panzer aufzubauen und hart zu erhalten. Herr Dr. Luttenberger, der damalige Direktor des Aquarienhauses Schönbrunn, der im selben Tauchclub war, stand mir mit guten Ratschlägen zur Seite, auch als Puppi eines Tages eine Lungenentzündung bekam und nur noch an der Wasseroberfläche schwimmen konnte. Mit Hühner-Antibiotika war sie bald wieder gesund und munter und hatte bald das 100 l Aquarium ausgewachsen, dann kam sie in eines der beiden 200 l Aquarien, wo sie nach kurzer Zeit ebenfalls Probleme beim Umdrehen an der Schmalseite bekam. Wir kauften ihr daher ein großes rundes, freistehendes Polyesterbecken, statteten es mit einem starken Power-Filter und Umwälzpumpe aus, sowie einer eingebauten Wärmepumpe, da sie sich an einem großen Heizstab, den wir vorher hatten, eine Verbrennung an einer Flosse zugezogen hatte. Sie war immer sehr zutraulich, kannte sämtliche Familienmitglieder am Schritt. Nur wenn Fremde ins Haus kamen, begann sie wie wild im Kreis zu schwimmen und spritzte dabei Salzwasser in die Gegend. Sie liebte es, wenn ich sie am Kinn und an der Stirn kraulte und streckte mir ihren Kopf entgegen, sobald ich mich dem Becken näherte.

Als sie noch kleiner war, nahmen wir sie mit nach Menorca. Ich bastelte ihr ein "Geschirr mit Leine" aus Stoffbändern und ging mit ihr im Meer schnorcheln. Noch Jahrzehnte später kannten mich dort alle Leute als "die Senora mit der Wasserschildkröte"! Sie wurde stetig grösser und auch immer schwerer, sodass die Beckenreinigung sehr schwierig wurde, da man sie dazu herausheben musste, was man kaum noch schaffte. Da wir auch planten in ein anderes Haus zu übersiedeln, begannen wir uns mit dem Gedanken zu befassen, dass wir uns wahrscheinlich von ihr trennen müssten. Es fiel uns allen sehr schwer, aber als ich im Haus des Meeres anfragte und eine begeisterte Antwort erhielt, brachten wir sie schließlich dorthin. Sie bekam gleich ein riesiges Aquarium und mir wurde erlaubt, sie wann immer ich wollte,  dort "hinter den Kulissen zu besuchen", wo ich ihr auch das Köpfchen kraulen konnte. Ich freue mich, dass es ihr so gut geht im Haus des Meeres und dass sie dort einer der Stars ist und dass sie mich wahrscheinlich überleben wird. Heute habe ich nur noch eine Auto-Nummerntafel mit "Save the turtles", denn mein Herz gehört nach wie vor den Meeresschildkröten.“

Im April 2011 hat unsere Puppi zudem noch einen prominenten Paten bekommen - den Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl.

Von Zoologe zu Zoologe gefragt von Direktor Michael Mitic: "Michl, möchtest du nicht eine Patenschaft im Haus des Meeres übernehmen? Ich hätte das passende Tier für dich: Puppi, unsere Meeresschildkröte. Sie schwimmt in unserem Haibecken -  aber sie ist dort der Chef. Sie hat einen dicken Panzer – und ist kulinarischen Versuchungen keinesfalls abgeneigt. Also Parallelen mit dir noch und nöcher...", und Bürgermeister Dr. Michael Häupl sagte begeistert zu.

So kam es, dass Bürgermeister Dr. Michael Häupl offiziell die Patenschaft von Puppi, der Grünen Meeresschildkröte – eine wie alle Meeresschildkröten bedrohte Tierart – übernommen hat. Wir freuen uns sehr darüber!

Und so blicken die Meeresschildkröte Puppi und die Haie, wie echte Wiener, aus dem Fenster - nämlich aus dem verglasten "Sparschweinschlitz" - auf das Häusermeer Wiens. 

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