2018-07-21 19:15 | https://www.haus-des-meeres.at/en/History/iHistoryId__451.htm
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Präsident Dr. Radda

Die Spuren seiner Tätigkeit für das Haus des Meeres führen zurück bis ins Jahr 1980. Damals wurde Dr. Alfred Radda Sprecher des neukonstituierten „Wissenschaftlichen Beirats“ und in dieser Funktion in den Vereinsvorstand kooptiert.

Anfang 2006 übernahm er die Funktion des Vizepräsidenten  und im Zuge der Strukturreform nunmehr auch die Präsidentschaft des Vereins HAUS DES MEERES – Wissenschaft und Forschung“. Somit leitet Prof. Dr. Alfred Radda seit dem 11.7.2013 unseren traditionsreichen Verein.

Aber wer ist dieser Alfred Radda eigentlich? Manfred Christ hat vor einiger Zeit den nachstehenden Artikel publiziert, den er mir samt Fotos dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat:

"Alfred Radda: 60 Jahre Killifische!

Alfred C.Radda, geboren 1936, Zoologe und Universitätsprofessor im Ruhestand, hat in den 70er- und 80er-Jahren Fischkunde geschrieben. Radda ist Experte für Killifische und eine Ikone der österreichischen Aquaristik. Er hat Bücher verfasst, 68 zoologische und zahllose populärwissenschaftliche Artikel veröffentlicht und 67 Gattungen, Untergattungen, Arten und Unterarten von Fischen beschrieben.

Mit dem Reise-Virus infiziert

Auf der Suche nach Eierlegenden Zahnkärpflingen (Cyprinodontiformes) hat Alfred Radda halb Afrika bereist, war acht Mal in Kamerun, ist durch Mittelamerika ge-zogen, hat Trips nach Südamerika unternommen und sich in Sachen Fischkunde auch in der Karibik und auf Sri Lanka aufgehalten.

Radda ist ein echter Ottakringer (ein Wiener Stadtbezirk). Er hat drei Söhne, eine Tochter und acht Enkelkinder. In den 60er-Jahren studiert er an der Universität Wien und schließt sein Studium als Doktor der Philosophie für Zoologie und Botanik ab. 1975 wird er Dozent für Virologie „mit besonderer Berücksichtigung der Ökologie“. Von da an gilt sein Beruf den Viruskrankheiten und ihren Verursachern. 1988 wird er zum Universitätsprofessor ernannt. Er hält Biologie-Vorlesungen für Mediziner und leitet mikrobiologische Kurse.

Was ihn trotz Virologen-Karriere niemals losgelassen hat, waren die Aquarienfische. Mit zehn Jahren hatte er sein erstes Becken, seine Karriere als Fischkundler startete Radda 1963 mit einem Artikel in der DATZ - über Aphyosemion filamentosum, den westafrikanischen Fadenprachtkärpfling.

Die Zusammenfassung seiner Forschungsleidenschaft ist das 1987 erschienene Fachbuch „Colour Atlas of Cyprinodonts of the Rain Forests of Tropical Africa“ (Farbatlas der westafrikanischen Killifische), das er gemeinsam mit Eduard Pürzl verfasste.

Danach wendet er sich „nach dreißig Jahren Killifische“ der Völkerkunde zu und zieht um die halbe Welt, um seltene Volksgruppen zu besuchen und ihr Leben zu dokumentieren. Das Ergebnis ist eine zwischen 1995 und 2003 erschienene Reihe von populären Fachbüchern, in denen Alfred Radda von seinen Reiseerfahrungen und Recherchen zur Lebensweise bedrohter Völker in Südostasien, Afrika, Mittel- und Nordamerika, Australien und dem Pazifik berichtet.

Wie er von den Fischen zur Völkerkunde kam?

„Bei unseren Reisen war es naheliegend, sich auch mit den unterschiedlichen Be-völkerungsgruppen zu beschäftigen, deren Traditionen in Gefahr waren zu ver-schwinden. Der neue Zeitgeist drang gerade in die durch Straßen oder Pisten kaum erschlossenen Gebiete vor. Siedlungsweisen, Arbeitsgeräte, Musikinstrumente, Waffen, Kleidung, Schmuck, Körperbemalungen wichen der Moderne. Was wir erleben konnten, sollte deshalb in einer Dokumentation zusammengefasst werden, wobei auch ein erheblicher Schuss Nostalgie hinzukam.“

Mit dem Reise-Virus wurde Radda übrigens als junger Mann vom 2006 verstorbenen Wiener Zoologie-Professor Ferdinand Starmühlner infiziert. Starmühlner war Spezialist für die Süßwasserfauna tropischer Inseln, seine Vorlesungen über Forschungen in fernen Ländern zogen die Studenten an wie ein Magnet. Starmühlner nahm Radda gewissermaßen „als Sohn“ an und förderte ihn in jeder Hinsicht.

Killifische generalstabsmäßig

Die seinerzeitigen Killifisch-Expeditionen waren von großer Hingabe zum Detail geprägt. So war zum Beispiel das Ziel einer Sammelreise im Sommer 1983 der rätselhafte Nothobranchius rubroreticulatus aus dem Überschwemmungsgebiet der Tschad-Ebene, der 1960 von den beiden Franzosen Blache und Miton wissen-schaftlich beschrieben wurde. Von diesem Fisch gab es nur das der Erstbe-schreibung zugrunde liegende Material in Form von sechs fixierten Exemplaren. Radda: „Wir wollten die Art zu Beginn der Regenzeit im Norden Kameruns wieder aufsammeln und lebende Tiere nach Europa bringen.“

Am 16. Juni 1983 startete die internationale Killifisch-Truppe ihre Offensive: Je drei Teams – bestehend aus drei Mann – bereisten in Abständen von zwölf Tagen sowohl den Norden als auch den Süden Kameruns. Team eins bestand aus drei Wienern (darunter der legendäre Wiener Aquarianer Otto Gartner), in Team zwei befanden sich Alfred Radda und der Sekretär der französischen Killifisch-Gesellschaft, in Team drei waren Eduard Pürzl und der Chef der britischen Killifisch-Gesellschaft. Vier Wochen lang waren sie unterwegs. Alfred Radda: „Um es vorweg-zunehmen: Wir konnten diesen Fisch trotz gemeinsamer Anstrengungen nicht auf-spüren. Das gab uns jedoch Gelegenheit, uns mit den Bewohnern des Landes zu beschäftigen.“

Fischforscheradel

Radda war insgesamt acht Mal in Kamerun, um Eierlegende Zahnkärpflinge zu sammeln. Er war mit zusammengeflickten Bussen unterwegs, in klapprigen Flug-zeugen, in Buschtaxis und schmalen Holzbooten und verbrachte unzählige Nächte in schmuddeligen Herbergen. Dazwischen ermittelte er Wasserwerte von Gewässern, die bis dato noch niemanden interessiert hatten und durchkämmte sie mit seinen Netzen nach Fischen.

Der dänische Killifisch-Spezialist Jorgen Scheel adelte ihn dafür 1975 mit dem nach Alfred Radda benannten farbenprächtigen Aphyosemion raddai. 2001 verliehen die beiden deutschen Forscher Manfred Meyer und Vollrad Etzel einer in Argentinien vorkommenden Killifisch-Art den Namen Cnesterodon raddai.

Die große Zeit der Reisen ist für Radda mittlerweile vorbei: „Fische zu sammeln, wie wir es damals taten, ist ja heutzutage fast unmöglich. Wir sind einfach losgefahren, ohne Empfehlungsschreiben, ohne Genehmigungen. Alles was wir dabei hatten, waren unsere Netze und unsere Neugier.“

Selbstverständlich trifft man in seiner Wohnung auch heute auf Aquarien, in denen Wildformen Lebendgebärender Zahnkärpflinge schwimmen: Carlhubbsia kidderi zum
Beispiel, Neoheterandria elegans und Heterandria formosa. Und hin und wieder er-gibt sich auch eine wissenschaftliche Erstbeschreibung: Zuletzt Rivulus caurae (Radda, 2004) aus dem Rio Caura in Venezuela."

PS.: Kein Wunder also, dass wir sehr stolz auf unseren neuen Präsidenten sind!

 



 

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