Korallen können weit mehr als gedacht! Zwei Studien an den Korallen des Wiener Haus des Meeres liefern neue Erkenntnisse zu diesen faszinierenden Lebewesen: Es wurde erstmals nachgewiesen, dass viele riffbildende Steinkorallen durch mikroskopisch kleine, aufeinander abgestimmte Bewegungen selbst Wasserströmungen erzeugen und damit ihre Umgebung beeinflussen können. Eine zweite Studie zeigt die überraschend komplexen Strategien, die Korallen im Wettbewerb um Lebensraum entwickeln: Manche Arten wachsen gezielt in freie Bereiche, andere schränken mit ihrer Wuchsform die Ausbreitung benachbarter Korallen ein – vergleichbar mit Pflanzen, die im Wald um das Licht konkurrieren.
Da Korallenriffe weltweit zunehmend unter Druck geraten, leistet das neue Wissen einen wichtigen Beitrag zur gezielteren Entwicklung von Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen. Zugleich unterstreichen die Studien die wachsende Bedeutung des Wiener Aquariums als Forschungsstandort und Partner internationaler Wissenschaftsprojekte. Die Möglichkeit, Korallen unter kontrollierten Bedingungen zu beobachten und zu untersuchen, bietet einzigartige Voraussetzungen für wissenschaftliche Projekte.
„Diese Erkenntnisse zeigen, dass Korallen keineswegs passive Organismen sind, sondern aktiv ihre Umgebung gestalten können“, erklärt Dr. Daniel Abed-Navandi, stellvertretender Direktor des Haus des Meeres. „Gleichzeitig zeigt es, wie wichtig die Verbindung von öffentlicher Bildung, Tierhaltung und neugiergetriebener Forschung ist.“ Die beiden Studien mit seiner Beteiligung und unter der Leitung des Neuroimmunologen Igor Adameyko wurden kürzlich in den renommierten Fachjournalen Communications Biology (Nature Portfolio) und Science Advances veröffentlicht.
Die beiden genannten Publikationen finden Sie unter:
Knabl, P., Ordoñez, J. F., Montenegro Cabrera, J. D., Abed-Navandi, D., Halbauer, R., Link, O., Wollesen, T., & Genikhovich, G. (2026). The anti-neural role of BMP signaling is a consequence of its ancestral function in dorsoventral patterning. PLOS Biology, 24(5), e3003803. doi:10.1371/journal.pbio.3003803
Koch, T., Araslanova, K., Bouderlique, T., Fetisov, A., Link, O., Klimovich, A., Mičić, M., Mičić, K., Boström, J., Frade, P., Abed-Navandi, D., & Adameyko, I. (2026). Cilia-driven surface currents characterize specific cnidarian groups and lifecycle stages. Communications Biology, 9, 579. https://doi.org/10.1038/s42003-026-09827-0