Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober macht das Haus des Meeres auf ein Kernanliegen aufmerksam, das die Arbeit moderner, wissenschaftlich geführter Zoos täglich prägt: das Wohlergehen jedes einzelnen Tieres. Moderne Tierhaltung geht über eine gute Versorgung hinaus: Entscheidend ist, Lebensräume so zu gestalten, dass Tiere ein möglichst breites Spektrum ihrer natürlichen Verhaltensweisen ausleben können, ohne dabei den Belastungen und Gefahren ausgesetzt zu sein, denen sie in der Natur begegnen.
Wissenschaftlich geführte Zoos setzen dabei bereits hohe Maßstäbe im Tierwohl und entwickeln ihre Haltungsstandards durch Forschung und internationalen Erfahrungsaustausch kontinuierlich weiter. Wie vielfältig Tierschutz im Zooalltag sein kann, zeigt sich in der Arbeit der Tierpfleger*innen. Sie beobachten das Verhalten ihrer Schützlinge genau und passen Beschäftigung, Fütterung und Training laufend an die Bedürfnisse der Tiere an. Futter wird beispielsweise versteckt oder so angeboten, dass die Tiere danach suchen, es erarbeiten oder natürliche Jagd- und Futtersuchstrategien einsetzen müssen. Anlagen werden durch wechselnde Kletter-, Rückzugs- oder Beschäftigungsmöglichkeiten immer wieder neu gestaltet. Auch gezieltes Training gehört dazu – etwa damit Tiere freiwillig auf die Waage steigen, bestimmte Körperstellen zeigen oder bei tierärztlichen Untersuchungen möglichst stressfrei mitarbeiten.
Tierschutz hat im Haus des Meeres viele Gesichter und ist seit Jahrzehnten Teil unserer Arbeit. Einige unserer Tiere bringen ihre ganz eigene Geschichte mit: Unsere Strahlenschildkröten etwa wurden vor vielen Jahren Opfer des illegalen Wildtierhandels und beschlagnahmt. Über Umwege haben sie bei uns ein neues Zuhause gefunden. Auch Nashornleguane, die durch illegalen Tierhandel in Not geraten waren, wurden in der Vergangenheit vom Haus des Meeres aufgenommen.
Tierschutz bedeutet aber nicht nur, Tieren ein Zuhause zu geben. Er bedeutet auch, immer wieder verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, selbst wenn sie uns nicht leichtfallen. Ein besonders emotionales Beispiel dafür ist unser langjähriger Besucherliebling Adam. Der Sunda-Gavial verließ das Haus des Meeres, um im Zoo Leipzig Teil der Erhaltungszucht seiner bedrohten Art und dort mit mehreren Weibchen zusammengeführt zu werden.
Solche Entscheidungen zeigen, wie sich auch das Haus des Meeres weiterentwickelt hat: Im Mittelpunkt steht nicht, ein bestimmtes Tier um jeden Preis bei sich zu behalten, sondern gemeinsam mit anderen zoologischen Einrichtungen die langfristig beste Perspektive für Tiere und bedrohte Arten zu schaffen.
Im Haus des Meeres geht man aber noch einen Schritt weiter, über die eigenen Tiere hinaus und übernimmt mit der Auffangstation für Reptilien und Amphibien eine wichtige Tierschutzaufgabe: Ausgesetzte, beschlagnahmte, oder abgegebene Tiere werden hier fachkundig versorgt und nach Möglichkeit an geeignete Personen weitervermittelt. Komplettiert wird das Thema Tierschutz mit dem angebotenen Sachkundenachweis, hier werden zukünftige Tierhalter*innen bestmöglich auf die Bedürfnisse ihrer neuen, exotischen Schützlinge vorbereitet. Denn erfolgreicher Tierschutz beugt vor und beginnt bereits mit Wissen und Verantwortung, bevor ein Haustier einzieht.
„Höchstes Tierwohl ist die Grundlage aller Entscheidungen, die wir treffen! Von der täglichen Betreuung unserer Tiere, über Forschung und internationale Zusammenarbeit bis hin zur Auffangstation und Bildungsarbeit verfolgen wir das Ziel, die Lebensqualität von Tieren nachhaltig zu verbessern und Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihnen zu sensibilisieren.“, erklärt Mag. med. vet. Jeff Schreiner, Zoodirektor und Tierarzt des Haus des Meeres.