Er gilt als einer der bedrohtesten Primaten der Welt und wurde von der Weltnaturschutzunion IUCN sogar als möglicherweise ausgestorben eingestuft: Doch der Bangka-Plumplori (Nycticebus bancanus) lebt! Eine neue Studie dokumentiert zahlreiche Tiere aus verschiedenen Teilen der indonesischen Insel Bangka und liefert damit den Beleg für das Fortbestehen dieser verloren geglaubten Primatenart.
Der Bangka-Plumplori wurde 1906 wissenschaftlich beschrieben, aber erst 2013 als eigenständige Art anerkannt. Die letzten wissenschaftlich dokumentierten Nachweise der Art auf Bangka stammen aus den Jahren 1930 bis 1932. Danach verschwand der nachtaktive Primat für Jahrzehnte aus dem Blickfeld der Wissenschaft. Die renommierte Naturschutzorganisation Re:wild nahm ihn schließlich in die Liste der weltweit gesuchten „Lost Primates“ auf.
„Dass wir den Bangka-Plumplori zurück auf die Bildfläche gebracht haben, ist aber nur der erste Schritt“, sagt Timon Glaw vom Haus des Meeres. „Wir müssen jetzt dringend eine langfristige Schutzstrategie entwickeln. Dazu brauchen wir systematische Bestandserfassungen, genetische Untersuchungen und vor allem den Schutz der noch vorhandenen Lebensräume. Wir wissen nun, dass die Art in verschiedenen Regionen Bangkas überlebt hat. Jetzt müssen wir verhindern, dass sie tatsächlich ausstirbt.“
Plumploris gehören zu den ungewöhnlichsten Primaten der Welt. Die nachtaktiven Baumbewohner besitzen riesige, an schwaches Licht angepasste Augen und haben als einzige Primaten einen giftigen Biss. Ihr niedliches Aussehen macht sie in Asien zu begehrten exotischen Haustieren. Für den illegalen Wildtierhandel werden sie aus der Natur gefangen und häufig unter schlechten Bedingungen transportiert und gehalten. Um ihren giftigen Biss zu
verhindern, werden einzelnen Tieren sogar die Zähne gekürzt oder gezogen, was oftmals schwere Verletzungen und Infektionen mit sich bringt. So gelten alle acht Plumplori-Arten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht.
Auf Bangka übernimmt die Natur- und Artenschutzorganisation Alobi eine wichtige Rolle bei der Rettung und Wiederauswilderung von Wildtieren. Das Team versorgt beschlagnahmte, verletzte oder in menschliche Obhut geratene Tiere. Die über Jahre gesammelten Daten zu Bangka-Plumploris bildeten die Grundlage der nun in der Fachzeitschrift Spixiana veröffentlichten Studie.
„Für uns ist es ein besonderes Gefühl, mit unserer Arbeit zum Schutz dieser hoch bedrohten Tierart beizutragen“, sagt Langka Sani von Alobi. „Wir können hier auf Bangka beobachten, wie Wälder verschwinden und durch Zinnabbau, Palmölplantagen und den zunehmenden Siedlungsbau immer mehr Lebensraum verloren geht. Dadurch begegnen sich Menschen und Wildtiere immer häufiger. Die Konflikte nehmen zu.“
Auch die Fundumstände der untersuchten Tiere spiegeln diese Entwicklung wider. Bangka-Plumploris wurden unter anderem in Siedlungen und Gärten, auf Plantagen, an Straßen und Stromleitungen gefunden, oft mit schweren Verletzungen. Noch ist weitgehend unbekannt, wie groß die verbliebenen Populationen sind, wo ihre wichtigsten Rückzugsgebiete liegen und wie stark sie miteinander verbunden sind.